Backward Tracing

Nicht alle mit dem Coronavirus infizierte Personen sind gleich ansteckend. Es hat sich gezeigt, dass viele Coronavirus-Infizierte wenige Menschen anstecken und wenige Infizierte vergleichsweise viele Menschen anstecken. Um diese wenigen Personen können sich Infektionsherde bilden. Das Ziel des Backward Tracings ist es, diese Infektionsherde ausfindig zu machen und einzudämmen.

Was ist Backward Tracing?

Gpraphdatenbank, welche in der Contact Tracing Software zu sehen ist. Blau sind die Orte / Anlässe, rot sind die Indexpersonen.

Da statistisch gesehen eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass  sich eine Person bei einem Infektionsherd angesteckt hat, geht der Backward Tracer / die Backward Tracerin 14 Tage mit der betroffenen Person zurück und erfasst alle für das Backward Tracing relevanten Anlässe im genannten Zeitraum.

Die relevanten Anlässe / Orte werden unter den Begriffen «VOLL ZU NAH» (untenstehend näher beschrieben) zusammengefasst.


VOLL: Orte mit vielen Personen z.B.  

  • Bars
  • Restaurants
  • Geburtstagsfeiern / Hochzeiten
     

ZU: Geschlossene und / oder schlecht belüftete Räume z.B.

  • Fitnesszentren
  • Kulturanlässe
  • Sitzungen
     

NAH: Nahe (körperliche) Kontakte z.B.

  • Treffen mit Freunden
  • Sport
  • Dienstleistungen mit engem Kontakt (Massage, Physio etc.)

Ziel

Backward Tracing versucht die "Quelle" des Virus zu identifizieren, welche die Indexperson infiziert hat und potenziell andere Fälle zu finden, welche mit dieser Quelle verbunden sind und so die Übertragungskette zu unterbrechen. Dies geschieht durch die Erfassung gezielter signifikanter Ereignisse, bei denen eine COVID-19-Exposition möglicherweise stattfand.

Backward Tracing vs. Forward Contact Tracing

Im Unterschied zum "klassischen" (Forward-)Contact Tracing  wird versucht, herauszufinden, wo sich die heute positiv getestete Person angesteckt haben könnte. Im Forward Contact Tracing hingegen wird versucht, herauszufinden, wen die heute positiv getestete Person in der eigenen infektiösen Phase angesteckt haben könnte. Deshalb werden beim Backward Tracing auch keine Quarantänen ausgesprochen. Beim Backward  Tracing werden alle relevanten Anlässe in den letzten 14 Tagen erfasst, beim Forward Contact Tracing werden alle relevanten Kontaktpersonen in den letzten 48 Stunden vor Symptombeginn (oder vor dem positiven Test bei asymptomatischen) erfasst.

Modell Beispiele

Der Primärfall der folgenden Abbildung befindet sich in der Mitte des Diagramms (hellrot). Der Fall infiziert mehrere Personen (Indexpersonen, dunkelrot). Ein Teil dieser Personen infiziert wiederum weitere Personen (sekundär Fälle, orange). Nicht alle Primär- oder Indexfälle führen zu Sekundärfällen. Daher ist die Identifizierung spezifischer Primärfälle oder Situationen, die zu mehreren Ansteckungen führen, wichtig um Übertragungsketten zu unterbrechen. 

Die nächste Abbildung zeigt einen möglichen Verlauf durch die Kombination von Forward Contact Tracing und Backward Tracing. Der Indexfall (in dunkelrot) ist dem Contact Tracing Team bekannt und wird befragt. Über das Backward Tracing führt der Indexfall die Tracer auf eine Gruppe von 5 Teilnehmende einer Veranstaltung. Der Primärfall (in hellrot) infizierte den Indexfall und weitere 3 Fälle (in gelb). Hier wurde ein Cluster entdeckt. Die drei neu entdeckten Fälle führen ebenfalls durchs Backward Tracing zu 5 weiteren Fällen (in gelb). Der Indexfall führt übers Forward Contact Tracing zu zwei neuen Fällen (in orange). In diesem Beispiel wurde durchs Backward Tracing die 4-fache Anzahl von Fällen erkannt als durchs Forward Contact Tracing allein.